URSACHEN  
Hier finden Sie allgemeine Informationen zum Thema Schimmelpilzbefall in Innenräumen:
1. Ursachen für Schimmelpilzbefall>>
2. Gesundheitliche Auswirkungen von Schimmelpilzbefall >>
3. Fachgerechte Schimmelpilzsanierung >>
4. Stellungnahme des Umweltbundesamtes >>

URSACHEN FÜR SCHIMMELPILZBEFALL

Die Schimmelpilzproblematik in Wohnungen hat in den vergangenen 25 Jahren drastisch zugenommen. Anstelle gesicherter wissenschaftlicher und bauphysikalischer Erkenntnisse wird die Diskussion über Schimmelpilze häufig zwischen den Extremen Verharmlosung und Panikmache geführt. Hinzu treten nicht selten wirtschaftliche Interessen kommerzieller Produktanbieter. Zur umfassenden Aufklärung der Ursachen bedarf es daher neutraler, sachkundiger Fachleute, die auf der Basis neuester Erkenntnis die Schadensursachen analysieren und somit eine dauerhafte Schadensfreiheit garantieren können. Eine ebenso große Bedeutung hat die fachgerechte Schimmelpilzbeseitigung, damit Folgeschäden verhindert werden.

Wichtigste Ursache für einen Schimmelpilzbefall ist eine andauernde hohe Feuchte auf dem Bauteil.

Diese kann jedoch höchst unterschiedliche Gründe haben:

  1. Wasserschäden von Außen (Fassade, Fallrohre, Abdichtungen im Erdreich)
  2. Wasserschäden von Innen (Rohrbrüche, Leckagen, aufsteigende Feuchte etc.)
  3. Innenraumkondensation im Winter (aufgrund unzureichender Wärmedämmung)
  4. Innenraumkondensation im Sommer (aufgrund falscher Lüftung)
  5. Konvektionsschäden (Wasserschäden aufgrund Luftundichtigkeiten z.B. an Dächern)
  6. Neubaufeuchte (zu hohe Restfeuchte – kann sich bis zu 3 Jahren auswirken)
  7. Falsche Innendämmung (Dämmtapeten, falsche Materialwahl bei Innendämmungen)
  8. Nutzung, Möblierung, Nichtnutzung (Heiz- und Lüftungsverhalten, Möblierung in Altbauten)
  Aus der Liste der möglichen Schimmelpilz-Ursachen ist bereits ersichtlich, dass es für die Schimmelpilzproblematik keine Patentlösungen gibt. Vielmehr sind die Ursachen zumeist multikausal und für jedes Objekt neu zu ermitteln. Alle zuvor genannten Schimmelpilzbefall-Ursachen haben jedoch einen bauphysikalischen Hintergrund, sodass die komplexen Schadensbilder nur von Fachleuten mit einem besonderen bauphysikalischen Sachverstand analysiert werden können.  
     
Vorurteil: „Wärmedämmung verursacht
Schimmelpilze“
:
Wärmedämmung verursacht Schimmelpilze

Da das vermehrte Auftreten von Schimmelpilzfällen im zeitgleichen Zusammenhang mit einer permanenten Verschärfung des Dämmstandards stand, hat sich das Gerücht breit gemacht, dass eine effiziente Wärmedämmung zu Schimmelpilzschäden führt. Diese Annahme ist aus bauphysikalischer Sicht falsch – vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Da warme Luft wesentlich mehr Feuchte aufnehmen kann als kalte, steht Feuchtigkeit im direkten Zusammenhang mit der Temperatur („relative Luftfeuchte“). Nicht gedämmte Außenbauteile weisen zwangsläufig an der inneren Oberfläche geringe Temperaturen auf, sodass es bereits bei kleinen „Lüftungsfehlern“ (Raumluftfeuchten über 50%) zu einem Schimmelbefall kommen kann. Wärmegedämmte Gebäude sind aufgrund der hohen Oberflächentemperaturen „fehlerverzeihende Systeme“. Allerdings müssen bei der Planung der Wärmedämmmaßnahme insbesondere die Wärmebrücken eines Gebäudes vermieden bzw. entschärft werden. Nach neusten Untersuchung treten 85% aller Schimmelpilzfälle an Wärmebrücken (z. B. Außenwandecken, Deckenanschlüssen und Fensterleibungen) auf.

 
   
Schimmelpilz-Ursachen: Sonstiger Wassereintrag von Außen:
Ursachen sonstiger Wassereintrag von Außen

Die Ursachenforschung bei Schimmelpilzproblemen folgt dem Motto „ Bauen ist der ewige Kampf gegen das Wasser“.
Insbesondere bei mietrechtlichen Auseinandersetzungen ist ein möglicher zusätzlicher Wassereintrag aus der Fassade, dem erdberührtem Kellermauerwerk sowie aus defekten Abdichtungen und Fugen zu überprüfen. Gleiches gilt für Leckagen in Ab- und Frischwasserrohren, da sämtliche genannte Beispiele zu einer schimmelpilzursächlichen erhöhten Bauteilfeuchte führen können. Ein regelmäßiges Problem stellt ein unzureichender Wärmeschutz der Gebäudehülle dar, insbesondere wenn durch den Einbau von modernen hoch-wärmedämmenden und dicht schließenden Fenstern in das funktionierende System eingegriffen wurde. In diesem Fall kommt es zu einer Kondensat(Tauwasser)-Verschiebung auf die Außenwände, da diese nunmehr das kälteste Bauteil im Raum bilden. Die Folge kann ein Schimmelpilzbefall an den Wärmebrücken der Außenwände sein.
Für die Analyse eines Schimmelpilzbefalls bedarf es aufgrund der Komplexität besonders geschulter Fachleute (z.B. Sachverständige für Schäden an Gebäuden), die sämtliche in Frage kommenden Eintragsfaktoren überprüfen und bewerten können.
Nur durch eine umfassende Analyse kann ein Schimmelpilzbefall langfristig unterbunden werden.

   
Ursachen für Schimmelpilzbefall: Nutzer:
Ursachen Nutzer

Der Nutzer kann durch verschiedene Fehlverhalten eine Schimmelpilzbildung begünstigen.
Hierzu zählen

  1. ungenügende Beheizung (dauerhaft 20°C in der Heizperiode erforderlich)
  2. Nicht-Beheizung einzelner Räume (z. B. Schlafzimmer) sowie
  3. ungenügendes Lüftungsverhalten.

Zur Lüftung ist allerdings anzumerken, dass aufgrund der kürzlich geänderten Lüftungsnorm DIN 1946-6 die Einhaltung der Mindestlüftung bei Neubauten und nach Sanierungen in den Verantwortungsbereich des Vermieters bzw. Planers fällt.
Insbesondere bei mietrechtlichen Streitigkeiten ist der nutzerbedingte Einfluss durch bauphysikalische Messungen und Berechnungen zu überprüfen und zu bewerten.

Die Ursachen für Schimmelpilz sind also sehr vielfältig und letztlich können sie nur von einem geprüften Sachverständigen für Feuchteschäden und Schimmelpilz diganostiziert werden.